Stoffwindeln – nachhaltig nutzen

Ich habe zwei Kinder im Kleinkindalter. Schon in der Schwangerschaft von Kind Nr. 1 habe ich mir Gedanken über das Wickeln und die Müllberge gemacht, die bei Wegwerfwindeln entstehen. Zum Glück hat meine Schwester vor mir ein Kind bekommen und sich eingehend mit Stoffwindeln und den verschiedenen Systemen, die es gibt, befasst. Das ist eine Wissenschaft für sich! Aber so musste ich da nicht groß nachdenken und recherchieren. 🙂

Als mein Kind da war, war ihr Kind schon weitestgehend trocken und ich habe Unmengen von Stoffwindeln und Einlagen und Vliesen und Windelhosen bekommen und mein Kind fast zwei Jahre damit gewickelt. Da sich bei meiner Schwester dann Kind Nr.2 ankündigte, wollte sie die Windeln zurückhaben.

Stoffwindel nach ca. 3-jähriger Nutzung (und Trocknen im Wäschetrockner)

Da waren die Stoffwindeln allerdings schon sehr strapaziert, etliche Falteinlagen musste ich wegschmeißen, weil der Trockner sie, so gut er konnte, zerfetzt hat. Wegen Schimmelbildung in der Wohnung im Winter mussten wir uns den Trockner anschaffen, um die Windelberge trocken zu kriegen. Die Windelhosen oder Überhosen aus Kunststoff wurden natürlich nur auf der Leine getrocknet, waren nach zwei Kindern aber auch teilweise nicht mehr dicht.

Da sich bei mir auch Kind Nr.2 ankündigte, habe ich dann viel Zeit mit der Suche nach gebrauchten Stoffwindeln, Überhosen, Einlagen und Vliesen verbracht, da es erstens wahnsinnig teuer ist, sich eine Stoffwindelausstattung neu zu kaufen und ich zweitens Windeln nachnutzen wollte, die noch heil waren. Die gängigen Gebrauchtportale wie Kleinanzeigen oder Mamikreisel waren nicht sehr ergiebig.

saugfähige Einlagen nach drei Jahren Nutzung

Von einer Mami habe ich Falteinlagen in miserabler Qualität bekommen, von anderen zwei Windelhosen, aber dreißig Vliese. Jedenfalls habe ich mir die Ausstattung für Kind Nr.1 und Nr.2 mühsam zusammengesucht, denn auch Kind Nr.1 musste ich in dem Alter noch wickeln. Alle Käufe wurden natürlich bei 90°C gewaschen!

So sind die Kinder die meiste Zeit mit Stoffwindeln groß geworden, wenn ich allerdings mit ihnen länger unterwegs bin, gibt es Wegwerfwindeln, ebenso im Urlaub, wo ich keine Waschmöglichkeiten habe. Da scheue ich den Aufwand und die Mengen an Gepäck.

Das sind nur die Stoffwindeln für ca. einen Tag, ohne Vliese, Einlagen und Überhosen. Unsere Wickelkommode ist vollgestopft mit dem Windelzeug für zwei kleine Kinder

Nachteilig an den Stoffwindeln finde ich die Arbeit, die ich damit habe, schon. Ich muss sie alle anderthalb Tage waschen (mit Vorwäsche und Extra-Spülgang), sie müssen aufgehängt, getrocknet, gefaltet und weggeräumt werden.

Allerdings ist der Energieaufwand für das Waschen und Trocknen in der kalten Jahreszeit deutlich geringer als der für die Herstellung und Entsorgung von Wegwerfwindeln. Die lange Nutzungszeit über mehrere Jahre rechtfertigt den Herstellungsaufwand für die Stoffwindeln und die Überhosen.

eine Stoffwindel, ebenfalls nach dreijähriger Nutzung, die aber offenbar nie den Weg in den Trockner gefunden hat

Das Wichtigste ist, meiner Meinung nach, die Windeln auf der Leine zu trocknen. Zwar werden sie zumindest hier in Berlin knochenhart, aber sie halten viel länger. Links seht ihr eine intensiv genutzte Windel, die aber bis auf Knicke heil ist. Wer die Möglichkeit hat, draußen im Garten oder im Hof die Windeln aufzuhängen, bekommt auch weichere und fluffigere Wäsche. Meine Kinder haben die harten Windeln aber nie gestört.

Ein nicht zu unterschätzender Vorteil von Stoffwindeln ist, dass Kinder dadurch ein besseres Gefühl dafür bekommen, was in der Windel passiert, wenn sie etwas rauslassen. Viele Kinder sind da empfindlich und verlangen eine frische Windel. Das kann das Trockenwerden unterstützen. Andererseits sind viele der Einlagen so saugstark, dass es sich trotzdem für die Kinder angenehm und trocken anfühlt. Ich habe auch schon gehört, dass Kinder eher zum Wundwerden neigen durch Stoffwindeln, kenne das aber auch von Kindern, die mir Wegwerfwindeln groß werden.

Für mich zumindest fühlt es sich gut an, die Kinder „nachhaltig“ zu wickeln und ich werde meine Einlagen und Überhosen, wenn sie nach dem Wickelalter noch in Ordnung sind, auch weiterverkaufen oder verschenken. Am frohesten allerdings werde ich sein, wenn ich gar nicht mehr wickeln muss. Wie ich das nach und nach erreiche, lest ihr in dem Beitrag „Windelfrei“!

Womit wickelt ihr eure Kinder, worauf legt ihr Wert? Schreibt es mir in die Kommentare und berichtet von euren Erfahrungen!

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