Terra Preta herstellen ohne Garten

Mit der einfachen Bokashi-Pflanzenkohle-Methode bequem und unkompliziert Terra-Preta-Substrat herstellen, auch ohne eigenen Garten!

einfacher Farbeimer mit Deckel, um selbst Terra Preta herzustellen
fast fertiges Terra-Preta-Substrat aus Bokashi und Pflanzenkohle – nicht lecker oder schön anzusehen, aber nützlich für die Umwelt 🙂

Für mein Terra-Preta-Projekt in meinem Heimatbezirk Lichtenberg in Berlin möchte ich selbst Terra Preta herstellen. Natürlich könnte ich sie auch kaufen, es gibt inzwischen zahlreiche Anbieter, aber lieber möchte ich die Ressourcen nutzen, die ich eh vor Ort habe.

Also habe ich viel gelesen und mir Videos angesehen.

Im Netz und auch analog gibt es zahlreiche gute Anleitungen für die Herstellung von Terra Preta. Für viele der Methoden benötigt man einen Garten, um die Vererdung des Terra-Preta-Substrats in Gang bringen zu können. Da ich allerdings über keinen eigenen Garten verfüge, bin ich darauf angewiesen, mein Terra-Preta-Substrat anders herzustellen. Fündig wurde ich mit der vereinfachten Bokashi-Terra-Preta-Methode. Da ich dafür keine schriftliche Anleitung gefunden habe, möchte ich sie hier geben und zeigen, wie ich vorgehe.

Was ist Bokashi? Ein kurzer Überblick

Bokashi bedeutet auf japanisch je nach Quelle sowas wie „Allerlei“ oder „fermentiertes Allerlei“. Klein geschnittene Bioabfälle, aber auch gekochte Essensreste werden in einem speziellen Bokashieimer gesammelt und gestampft, damit die Fermentation unter Sauerstoffabschluss stattfindet. Die Abfälle werden mit aktivierten Effektive Mikroorganismen (EMa), besprüht, außerdem kann noch (Ur-)Gesteinsmehl drauf gestreut werden.

Effektive Mikroorganismen als braune Flüssigkeit

Effektive Mikroorganismen sind eine braune Flüssigkeit, die für mich unangenehm riecht. Zu den Effektiven Mikroorganismen wird es noch einen gesonderten Beitrag geben. Wichtig ist, dass der Abfall mit Milchsäurebakterien in Kontakt kommt, um die milchsaure Fermentation in Gang zu bringen. In diesem Artikel bleibe ich bei den Effektiven Mikroorganismen, weil ich sie gerade da habe, suche da aber noch nach anderen Lösungen.

Um den Sauerstoffabschluss zu gewährleisten, legen manche da noch einen mit Sand oder Wasser gefüllten Beutel auf den Müll, um den Sauerstoffabschluss zu gewährleisten.

Ist der Eimer voll, lässt man das ganze ein paar Wochen fermentieren und füllt derweil einen zweiten Eimer auf die gleiche Art und Weise. Außerdem kann man aus einem Ablaufhahn Sickerwasser aus dem ersten Eimer entnehmen, das ist die Flüssigkeit aus den Abfällen und den Effektiven Mikroorganismen. Diese Flüssigkeit kann stark verdünnt als Dünger genutzt werden, es gibt auch etliche andere Möglichkeiten zur Anwendung in Haus und Garten. Nach 3-6 Wochen ist das Material im ersten Eimer fermentiert, das heißt, es ist noch erkennbar, vielleicht etwas grauer und riecht leicht säuerlich, wie ich es auch vom Gemüse fermentieren kenne.

Da das Material bereits fermentiert ist, kann es im Garten vergraben werden, wo es sich schneller zersetzt als ohne Fermentation, wodurch es einen tollen Dünger und Kompost gibt. Ich weiß von Leuten, die ihren Bokashiabfall mit großem Erfolg in ihren Gärten einsetzen und sich über einen reichlichen Erntesegen freuen. Wichtig: das Material darf nicht direkt mit den Wurzeln von Pflanzen wie Bäumen oder Sträuchern Kontakt haben, da diese sonst verätzt werden. Daher bietet es sich an, es vorher mit normaler Blumen- oder Gartenerde zu mischen und vererden zu lassen. Und ja, der Gedanke, die eigenen Bioabfälle draußen zu vergraben, mutet befremdlich an, aber der Boden und die Pflanzen werden es dankbar annehmen.

Nun habe ich beschrieben, wie normaler Bokashi gemacht wird. Aber ich möchte ja Terra Preta herstellen. Wie gelingt das?

Aus Bokashi Terra Preta machen

Um aus Bioabfällen Terra Preta zu machen, benötigt man Pflanzenkohle. Also habe ich sehr feine Bio-Pflanzenkohle gekauft, schadstoffgeprüft und aus zertifiziert nachhaltig bewirtschafteten Wäldern. Diese Pflanzenkohle kann man zusammen mit den Effektiven Mikroorganismen und dem Urgesteinsmehl auf den Bokashimüll geben.

Küchenabfälle auf Pflanzenkohle. Die schwarzen Spuren an den Eimerwänden sind der Kohlestaub.

Das ist tatsächlich sehr einfach. Um Terra Preta aus Bioabfällen herzustellen, benötigt man Pflanzenkohle. Zertifzierte Pflanzenkohle habe ich mir gekauft, da ich keine Möglichkeiten habe, diese selber herzustellen, denn ich verfüge weder über Grünschnitt oder Holzabfälle noch über einen Pyrolyseofen.

Die Kohle staubt wie verrückt und sollte auch vor der Entnahme nach Möglichkeit angefeuchtet sein, beispielsweise mit den Effektiven Mikroorganismen.

Dann hat man mit Pflanzenkohle versetzten Bokashi, den man ebenfalls im Garten vergraben kann, um ihn zu vererden.

Wie gelingt nun die vereinfachte Bokashi-Terra-Preta-Methode?

Einfache Terra-Preta-Herstellung aus Bokashi

Wenn ihr keine Lust habt, zwei teure Plastikeimer zu erwerben und trotzdem die Methode mit dem fermentierten Abfall ansprechend findet, dann gebe ich euch nun eine einfache Anleitung, um selbst wertvolle Terra Preta herzustellen:

Ihr braucht:

  • 2-3 leere Farb- oder Gastronomieeimer mit fest verschließbarem Deckel, Fassungsvermögen 10-15 Liter (entweder habt ihr oder haben Freunde von euch vom letzten Renovieren noch welche übrig, dann die Farbreste sorgfältig abwaschen, oder ihr fragt bei eurem Stammrestaurant nach, ob sie leere Eimer mit Deckel haben. Ansonsten kauft ihr leere Farbeimer mit Deckel im Baumarkt)
  • zertifizierte Bio-Pflanzenkohle, so fein wie möglich (keine Grillkohle, diese enthält Schadstoffe und stammt häufig aus illegaler Waldrodung)
  • Effektive Mikroorganismen aktiviert (oder andere Flüssigkeiten, die Milchsäurebakterien enthalten, so wie Kanne Brottrunk oder Fermentationswasser vom Gemüse fermentieren. Ich habe meine EMa bei ebay Kleinanzeigen gekauft, da sie auf dem freien Markt absurd teuer sind und wie Gold gehandelt und teilweise auch gehypt werden)
  • Bioabfälle
  • Urgesteinsmehl (gibt es im Baumarkt oder im Gartencenter)

Anleitung:

einfacher Bokashieimer- zu etwa einem Fünftel gefüllt mit Pflanzenkohle

Den gereinigten Eimer zu einem Fünftel mit der Bio-Pflanzenkohle befüllen. Ich mache das auf dem Balkon, weil es so staubt. Die Kohle muss nun „aktiviert“ oder „aufgeladen“ werden.*

Das kann mit Urin (nicht so praktikabel), Effektiven Mikroorganismen oder anderen mikrobiotisch aufgeladenen Flüssigkeiten passieren, ich habe Kanne Brottrunk genommen und das Restwasser vom Fermentieren. Das muss aber sein, da sonst die Pflanzenkohle aufgrund ihrer porösen Oberflächenstruktur alle Nährstoffe, die beim Fermentieren anfallen, erstmal bindet, obwohl sie sie ja für die Pflanzen später freisetzen soll. Die Kohle soll dann feucht sein, aber nicht schwimmen.

Ich gebe die Flüssigkeit mit den Effektiven Mikroorganismen in eine ausgediente Sprühflasche und besprühe die Küchenabfälle dann damit

Darauf gebe ich die stark zerkleinerten Bioabfälle, aber auch gekochte Essensreste , solange es keine Unmengen sind, verschimmelte Reste allerdings kommen nicht auf den Bokashi. Diese Abfälle stampfe ich mit dem Boden einer alten Flasche, damit alles schön zusammengepresst ist, darauf sprühe ich Effektive Mikroorganismen, ab und zu gebe ich ein bisschen Urgesteinsmehl drüber.

Auch Jogurtreste oder Saft, der nicht mehr gut ist, kann darauf gegeben werden. Dann schön fest verschließen und stehen lassen, bis die nächste Fuhre Abfall rein kommt. Ich öffne den Eimer einmal am Tag, gebe den über den Tag gesammelten Abfall rein, feststampfen. Dann besprühe ich alles mit den Effektiven Mikroorganismen und verschließe den Eimer wieder.

Die sich bildenden Gase vedrängen dann auch den Sauerstoff, ähnlich wie beim Gemüsefermentieren. Manche öffnen den Eimer auch nur einmal in der Woche, aber so viel Müll will ich nicht in der Küche stehen haben. Bisher hat es funktioniert, da kein neuer Sauerstoff an den Abfall kommt, deswegen nutze ich ja diese fest verschließbaren Eimer.

Hier ist die erste Ladung Küchenabfall, besprüht mit den Effektiven Mikroorganismen. Danach Deckel rauf und geschlossen halten, bis zur nächsten Ladung.

So füllt sich der Eimer, das dauert je nach Abfallmenge 1-3 Wochen, danach lasse ich ihn auf dem Balkon stehen und befülle den nächsten.

Hier ist ein Foto von meinem ersten Eimer ungefähr anderthalb Wochen nach der Befüllung. Der Eimer war bis oben gefüllt. Hier ist deutlich zu sehen, dass der Eimerinhalt schon sehr in sich zusammengesunken ist. Ich rieche nichts, also auch nichts Säuerliches, aber ich denke, dass es nicht gestunken hat, ist das beste Zeichen bisher. Ein weißlicher Film ist zu erkennen, der ebenfalls ein gutes Zeichen ist. Das ist kein Schimmel, sondern zeigt, dass der Eimer brav vor sich hin fermentiert.

Bokashi mit Pflanzenkohle und weißem Film – Fermentation läuft! 🙂

Wenn das fertig ist, habt ihr Terra-Preta-Substrat, das mit Erde vermischt tollen Kompost ergibt oder direkt in einem Hochbeet oder draußen in einer Baumscheibe vererdet werden kann. Ich möchte es im Bezirk auf einer Wiese oder an einer Hecke ausbringen, mehr dazu findet ihr in meinem Beitrag zu meinem Terra-Preta-Projekt in Lichtenberg.

Ich halte euch auf dem Laufenden, wie sich mein Eimer entwickelt.

Was denkt ihr über diese Methode? Bevorzugt ihr „richtige“ Bokashieimer? Wollt ihr das auch mal ausprobieren, Terra Preta so selbst herzustellen? Schreibt es mir in die Kommentare, ich freue mich darauf!

Liebe Grüße, Sille

  • * Sogar Terytze und Wagner benutzen den Begriff „aufgeladen“, obwohl er für mich sehr esoterisch klingt (Terytze, Konstantin; Wagner, Robert: Handlungsanleitung. Vewertung von organischen Reststoffen zur Erzeugung fruchtbarer Pflanzenkohlesubstrate und deren Nutzung im Gartenbau. Shaker Verlag Aachen, 2016).
  • Hilfreich ist das Video von den Waldgeistern: https://www.youtube.com/watch?v=R5ZseA-60hA „Der günstigste Bokashi der Welt“, in dem die Herstellungsweise sehr gut erklärt wird

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