Terra Preta selbst herstellen für richtig Faule

Wenn ihr Terra Preta in der Stadt machen möchtet, euch aber abgeschreckt von dem Aufwand mit Bokashi, Fermentieren, Vererden und Effektiven Mikroorganismen fühlt, dann ist meine Methode „Terra Preta für Faule“ vielleicht das Richtige für euch. Eine Voraussetzung ist ein Balkon, ohne den kann ich mir nicht vorstellen, wie das funktionieren soll.

Im Folgenden erkläre ich, wie ihr dafür vorgehen müsst und berichte von meinen Erfahrungen. Leider bleibt dieser Beitrag bilderlos, weil ich diese Methode zu meinem eigenen Bedauern nicht mehr anwende.

Anleitung „Terra Preta für Faule“

Ihr braucht:

  • Einen ausreichend großen Balkon
  • Eine große Tonne, so wie eine Regentonne oder ein Fass. Ich hatte eine mit einem Fassungsvermögen von 60-70 Litern. Deckel kann, muss aber nicht.
  • Küchenabfälle
  • Zertifizierte Bio-Pflanzenkohle
  • Urgesteinsmehl (optional)
  • Zeit und Geduld

Vorgehen:

Im Herbst oder Winter füllt ihr den Boden der Tonne mit der alten Erde aus den Blumenkästen vom Balkon, wenn vorhanden. Wenn nicht, könnt ihr auch Blumenerde kaufen oder fragt Freunde, Nachbarn oder Verwandte.

Darauf gebt ihr nun Kompoststarter. Den gibt es fertig zu kaufen, ihr könnt auch Effektive Mikroorganismen nehmen oder eine Hefe-Zucker-Mischung ansetzen und auf den Kompost geben (s. https://www.gartenjournal.net/hefe-zucker-wasser-kompost – Abruf: 08.09.2020). Sehr gut funktioniert auch fertiger Kompost, vielleicht kennt ihr jemanden mit einer Wurmkiste. Da fällt immer wieder Wurmkompost und Wurmtee an und ihr bekommt bestimmt etwas Kompost, der das Ganze mit den richtigen Mikroorganismen impft und den Kompostierprozess in Gang bringt.

Darauf gebt ihr nun eure Bioabfälle aus der Küche, überflüssige Blumenerde, falls vorhanden, ab und zu streut ihr Pflanzenkohle drauf und wenn ihr mögt, zuweilen auch Urgesteinsmehl. Fertig. Das ist meine Methode „Terra Preta für Faule“.

Nach 1-2 Jahren habt ihr in dieser Tonne wunderbaren Kompost, der durch die Zugabe von Pflanzenkohle zu Terra Preta geworden ist. 😊

Meine eigenen Erfahrungen mit der „Terra Preta für Faule“-Methode

Zu zweit haben wir diese Tonne nie voll gekriegt, weil die Abfälle in der eher hohen, schmalen Tonne schnell verrottet und in sich zusammengefallen sind. Wenn bei euch sehr, sehr viele Abfälle anfallen, lohnt sich eventuell die Anschaffung einer zweiten Tonne, die ihr befüllt, während die erste vor sich hinrottet.

Bei dieser Methode gelingt auch schnell der Sauerstoffabschluss, da die Abfälle in Schichten drauf kommen und die Tonne unten und an den Seiten geschlossen ist. Das war etwas, was ich immer ungünstig fand, da ich dachte, an Kompost müsse Sauerstoff kommen, aber damals hatte ich auch noch nicht von Bokashi gehört.

Diese „Terra Preta für Faule“-Methode braucht allerdings Zeit, bis das Ganze kompostiert, so gesehen ist es eine Mischung aus Fermentieren und Vererden. Es funktioniert auf jeden Fall. Wir haben auch mal einen alten Käse darauf gegeben, der zum Glück schnell abgebaut wurde, er hat nämlich wirklich sehr streng gerochen. Wir haben ihn Horace genannt. 😀 Wer in den Kommentaren erklären kann, warum der Käse Horace hieß, kriegt hundert ökologisch abbaubare Gummipunkte. 😊

Was ich nicht draufgegeben habe, waren gekochte Speisereste, Fleisch und Knochen. Das hätte vermutlich auch schlimm gerochen und auf kletterfähige Ratten habe ich auch keine Lust gehabt.

Im Winter füllt sich die Tonne schneller, weil der Verrottungsprozess durch die niedrigen Temperaturen verlangsamt ist. Im Frühjahr hatte ich trotzdem immer genug Erde für meine Balkonkästen. Es bietet sich dann an, den Kompost zu sieben und große Stücke wie Holz wieder in die Tonne zu geben, damit sie weiter verrotten können.

Aus der Tonne wuchs dann auch nach der ersten Kürbissaison im nächsten Jahr eine tolle Kürbispflanze, die über den ganzen Balkon gewuchert ist. Die Kürbisse waren auch sehr lecker und wir konnten dabei zusehen, wie die Erde abgesunken ist. Die Tonne als Abfallsystem haben wir nicht oder nur bei sehr großer Trockenheit gegossen, als allerdings der Kürbis da wucherte, haben wir diesen natürlich gegossen.

Die Tonne stand auch immer ohne Deckel, einfach, weil wir es unbequem fanden, den Deckel anzuheben, um die Bioabfälle da reinzukippen. Ist ja auch eine Methode für Faule. 😊

Warum ich wieder „Terra Preta für Faule“ machen möchte

Als wir uns den Kompostbehälter angeschafft haben, haben wir den Inhalt aus der Tonne im Beet vor dem Haus vergraben. Das war vor einem Jahr und die Erde dort ist immer noch fett, sehr dunkel und wird von vielen Würmern besucht. Die Tonne selbst ist bei meinen Schwiegereltern im Garten gelandet und ich habe sie auch nie fotografiert. Deswegen ist dieser Beitrag auch bilderlos.

Ehrlich gesagt, bedaure ich es, dass wir zum Kompostbehälter gewechselt haben, aber ich hatte immer Zweifel mit der Tonne, ob das auch „richtiger“ Kompost ist – die Würmer und das Aussehen der Erde im Beet vor dem Haus bestätigen mir das aber.

Tatsächlich überlege ich, den schwarzen und unschönen Kompostbehälter wegzugeben und mir wieder eine Regentonne zuzulegen – die hat auch viel weniger Platz eingenommen. Mal sehen. Ich werde berichten!

Was denkt ihr über diese Methode für Faule? Könntet ihr euch vorstellen, auf dem Balkon so eine große Tonne stehen zu haben? Oder bevorzugt ihr einen platzsparenden Bokashieimer oder eine Wurmkiste? Oder gibt es noch andere Möglichkeiten? Schreibt es mir in die Kommentare, ich freue mich drauf!

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