Waschmittel aus Kastanien selbst machen

Nur – wo sind die Kastanien?

Kürzlich war ich mit den Kindern Kastanien sammeln. Mein Hauptzweck war dabei, Waschmittel zu gewinnen, da Kastanien Saponine enthalten, die waschaktive Substanzen sind. Das schont die Umwelt, da ich dabei keine Verpackung verbrauche. Natürlich haben wir auch kleine Tierchen aus den Kastanien gebastelt und die Kinder waren begeistert. Vorher mussten wir aber die Kastanien suchen. Das Sammeln hat den Kindern großen Spaß gemacht, gestaltete sich allerdings viel langwieriger, als ich vorher angenommen hatte.

Keine Kastanie. Nur eine Gesichtsmaske.

Sieht jemand eine Kastanie? Nein? Ich auch nicht. Es war eher wie Pilze oder Ostereier suchen. Aber immerhin hatten die Kinder Spaß!

Die magere Ausbeute mit den winzig kleinen Kastanien in Haselnussgröße

Warum? Weil es keine Kastanien gab – also, die Früchte. Kastanienbäume gab es durchaus, ich habe mit den Kindern fünf Bäume abgeklappert. Am Ende hatte ich mickerige 820g Kastanien zusammen, die winzig klein waren. Der Kommentar meines Mannes, nachdem ich ihm mein Leid geklagt und er in den  Kastanienbeutel geschaut hatte: „Ich dachte, das wären Haselnüsse.“ :-I Naja, das sagt doch eigentlich schon alles, oder?

Tatsächlich habe ich an dem braunen Blätterteppich auf den Wiesen erkannt, wo ich die nächste Kastanie finde. Dementsprechend wenig Früchte trugen die Bäume dann auch und meine Ausbeute war mager.

Die Kastanienbäume waren alle schon weitestgehend kahl und unten lagen braune Blätter, während die anderen Bäume drumherum noch üppig in Saft und Kraft standen.

Auf diesen Bildern ist deutlich zu erkennen, dass es den anderen Bäumen deutlich besser geht als den Kastanien. Die Schalen waren auch sehr dick, während die Früchte sehr klein waren. Die Miniermotten haben den Baum geschwächt, gleichzeitig setzen ihnen die trockenen Sommer zu.

Einen Tag später bin ich in einem Berliner Innenhof unter einer prächtigen Kastanie aber doch erfolgreicher gewesen und konnte da noch fast 500g Kastanien sammeln. Diese waren auch deutlich größer, vielleicht, weil der Baum riesig war? Er hatte auch noch viele, viele Blätter.

Braune, knusprige Blätter und kleine Kastanien zeigen deutlich den schlechten Zustand der Kastanie an.

Die Ursache für den schlechten Zustand der Bäume dürfte bekannt sein, es sind die Larven der Miniermotte. Ein gesunder Baum kann sich gegen diese Schädlinge zur Wehr setzen, aber ein durch mehrere trockene Sommer geschwächter Baum kommt dagegen nicht an.

Es sind auch nicht alle Bäume in meiner Wohngegend so stark betroffen wie in dem Park, den ich zuerst besucht habe. Ich habe an einer viel befahrenen Straße jetzt einige Bäume mit noch vielen Blättern und Kastanien gesehen und werde diese Woche noch einmal sammeln gehen.

Aber wie geht das jetzt mit dem Waschmittel, für das ich den ganzen Aufwand schließlich betrieben habe?

Waschmittel aus Kastanien selbst herstellen

Ihr braucht:

2-3kg frische Kastanien, ohne Beschädigungen oder Schimmel

Diese werden zuerst geviertelt. Wenn ihr sie schälen wollt, könnt ihr sie einen oder zwei Tage liegen lassen, dann lässt sich die braune Schale leichter entfernen. Das dauert lange, ich habe drei Abende damit zugebracht, meditativ die Schale abzupulen.

Das sah dann abends immer so aus.

Ungeschälte Kastanien verwendet ihr am besten nur auf dunkler Kleidung, helle Kleidung wird dadurch unschön grau verfärbt. Die geschälten, noch nicht ausgetrockneten Kastanien mit einem leistungsfähigen Mixer zerkleinern, bis ihr ein Pulver oder Granulat habt. Dieses lasst ihr trocknen. Dabei darauf achten, dass sie nicht schimmeln!

Ich habe eher so Kastanienschrot fabriziert und sondern sorgfältig war ich beim Schälen auch nicht. Aber Hauptsache, es wäscht!

Ich habe die Kastanien leider nach dem Schälen zu lange stehen lassen, sie sind ganz trocken und hart geworden, das möchte ich meinem Mixer nicht antun.

Waschen kann ich damit trotzdem und wie das geht, erkläre ich im folgenden Absatz.

Waschen mit Kastanien

Vor jeder Wäsche nehmt ihr zwei Esslöffel von dem Kastaniengranulat oder -pulver und gießt es mit kochendem Wasser auf. Nach kurzer Zeit bildet sich eine seifige Brühe. Diese gebt ihr ins Waschmittelfach und startet den Waschgang. Die Wäsche wird sauber, normale Flecken kriegt das Waschmittel raus. Die ausgekochten Reste könnt ihr in euren Kompost geben. Damit waschen würde ich nicht, selbst wenn ihr das Pulver in ein verschließbares Säckchen gebt, könnte sich etwas daraus lösen und die Waschmaschine verstopfen. Mit den Saponinen aus der ausgekochten Brühe erhaltet ihr zudem eine bessere Waschwirkung.

Sehr dunkle oder kompliziertere Flecken solltet ihr mit Gallseife oder anderen Fleckentfernern vorbehandeln. Die Zugabe von etwas Soda (Reine Soda, lebensmittelecht, 1 Teelöffel) kann die Waschleistung verbessern. Die Wäsche riecht danach neutral, was ich sehr angenehm finde. Inzwischen beißt mir der Geruch von konventionellen Waschmittel regelrecht in die Nase.

Diese Menge reicht für etwa ein Jahr, wenn ihr nur 2-3 Mal in der Woche wascht. Bei uns reicht das bisschen nicht lange, deswegen muss ich unbedingt noch einmal losziehen, um noch mehr Kastanien zu sammeln. Und zu vierteln. Und zu trocknen. Und zu schälen. Aber dieses Mal schäle ich sie ordentlich und jage sie durch den Mixer, bevor sie ganz trocken und hart geworden sind. 🙂

Habt ihr schon einmal Kastanien gesammelt? Welche Erfahrungen habt ihr damit gemacht? Und welche Alternativen zu herkömmlichen Waschmitteln kennt ihr noch? Berichtet in den Kommentaren von euren Erfahrungen, ich freue mich drauf!

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