Aus invasiven Pflanzen Kohle machen

Wasserhyazinthen am Ufer. Im Hintergrund wachsen weitere Inseln der freischwimmenden Hyazinthen.

Wertschöpfung statt Ausrottung

Kürzlich las ich in der Zeitung einen Artikel über den Viktoriasee in Uganda. Das ist einer der größten Seen der Welt, Lebensraum und Lebensunterhalt für unzählige Tiere und Menschen. Eine Wasserfläche, so groß wie Bayern. Unvorstellbar, nicht wahr? Und dieser See ist stark gefährdet. Eine invasive Pflanze, die sogenannte Wasserhyazinthe, ist in diesen See eingetragen worden. Da sie innerhalb von zehn Tagen ihre Ausdehnungsfläche verdoppelt, sind große Teile des Sees von ihr bedeckt. Das stellt die Menschen dort für große Probleme:

  • sie können mit ihren Booten nicht zum Fischen auf den See fahren.
  • die Fische verstecken sich zwischen den Wasserpflanzen und können mit den Netzen nicht gefangen werden.
  • das ökologische Gleichgewicht des Sees wird massiv beeinträchtigt, es herrscht Sauerstoffmangel.
  • durch die Pflanzenmasse steigt der Seespiegel enorm an, das Wasser tritt über die Ufer und überschwemmt die Häuser. Etliche Menschen mussten ihre Behausungen bereits verlassen.
Unvorstellbar, aber unter diesen Pflanzenmassen befindet sich Wasser. Der See ist überwuchert von Wasserhyazinthen. Das Bild wurde mir freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Char2Cool e.V. Danke dafür!

Das alles sind schwerwiegende Probleme und als Lösung taugt eigentlich nur die Entfernung der Wasserhyazinthe. Glücklicherweise ist sie nicht fest im Boden verankert, da sie frei schwimmt. So kann sie ohne viel Kraftaufwand „gepflückt“ werden. Aber was tun damit? Das sind solche Massen, essen kann man sie nicht, sie zu verbrennen ist wenig nachhaltig. Glücklicherweise kamen einige Leute auf die Idee, die Pflanzen zu Biokohle (BioChar) zu verarbeiten.

Dafür werden die Pflanzen erst an Land getrocknet und danach in Pyrolyseöfen verkohlt. Diese Kohle kann von den Menschen vor Ort entweder zum Kochen und Heizen verwendet werden oder sie wird mit Dung und Küchenabfällen vermischt in den Boden eingebracht, wo sie mittelfristig die Eigenschaften des Bodens verbessert und höhere Erträge für die Bauern und Farmer vor Ort generiert. Gleichzeitig wird CO2 dauerhaft der Atmosphäre entzogen und der See von dieser Plage befreit.

Toll daran ist, dass die Öfen günstig und einfach herzustellen und leicht zu bedienen sind. Low-Tech-Lösungen überzeugen mich immer häufiger!

Ein sogenannter C2C-Kiln, ein Pyrolyseofen aus recyceltem Material (Char2Cool e.V.)

Ich finde es toll, wie die Menschen am Viktoriasee mit diesen Problemstellungen umgehen. Gleichzeitig frage ich mich, ob wir hier in Deutschland auch solche Probleme mit invasiven Pflanzen haben. In einem Gartenbuch habe ich gelesen, dass der Spreewald mit Wasserhyazinthen zu kämpfen hat, aber online habe ich nichts dazu gefunden. In Nordrhein-Westfalen und in Norddeutschland wurden invasive Wasserpflanzen händisch und mit Muskelkraft entfernt (s. 2. Link in den Quellen).

Aber verkohlt wurden die Pflanzenabfälle nicht. Bisher scheint diese Art der Verwertung einfach noch zu unbekannt. Ich hoffe, dass durch solche Artikel wie unten in den Quellen die Möglichkeit, aus unerwünschtem Grün nützliche Pflanzenkohle zu machen, noch bekannter und populärer wird. Und gerade frage ich mich, ob das auch bei Nicht-Wasserpflanzen funktionieren könnte. Sicherlich gibt es auch in Berlin invasive Pflanzen, denen die heimische Flora nicht so viel entgegen setzen kann. Darüber lohnt es sich sicher, nachzudenken! Das dürfte auch für die Garten- und Landschaftspflege in Deutschland interessant sein, gerade, wenn solche Pyrolyseöfen einfach und günstig zu bekommen und leicht zu bedienen sind.

Wie findet ihr diese Möglichkeit der Verwertung von „Schädlingspflanzen“? Habt ihr andere Ideen, was man damit anfangen könnte? Oder habt ihr selbst Probleme mit Neophyten (invasive Pflanzen)? Schreibt es mir in die Kommentare!

Die Bilder wurden mir freundlicherweise von dem Verein Char2Cool e.V. zur freien Nutzung auf diesem Blog zur Verfügung gestellt. Der Verein trägt das Wissen um die Herstellung von BioChar, also Pflanzenkohle, in die Länder, die massiv unter der Wasserhyazinthe leiden. So ermöglicht er neue Wertschöpfung vor Ort. Seht euch den Verein unbedingt an, ich finde es großartig, was sie machen und wieviel klimaschädliches CO2 und Methan durch die Verkohlung von Wasserhyazinthen eingespart werden kann:

https://char2cool.de/

Auch ein Blog über Pflanzenkohle und deren Potential ist dort zu finden, lest unbedingt einmal rein!

https://bottom-up-biochar.com/ (auf englisch)

Meine Quellen:

https://reset.org/blog/aus-einer-wasserpflanzen-plage-wird-biokohle-10222020 – Abruf: 28.10.2020

https://www.lkspn.de/media/file/naturschutztagung/2018/hussner-vortrag-drachhausen.pdf

https://taz.de/Victoriasee-in-Uganda/!5713745/ – Abruf: 14.10.2020

https://char2cool.de/char2cool-e-v/ – Abruf: 28.10.2020

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