Warum wir kein Auto haben – warum das manchmal wirklich doof ist

Auto in der Großstadt? Braucht kein Mensch

In Berlin braucht man kein Auto. Das ist allgemeiner Tenor bei fast allen Menschen um die dreißig Jahre oder jünger. Es gibt ein recht gut ausgebautes Netz für den öffentlichen Personennahverkehr, die Busse kommen zwar oft unpünktlich aber sie kommen und auf dem Land kommen sie sowieso nur einmal die Stunde, da sind wir hier in Berlin ja richtig gut dabei.

Ohne Auto geht es mit Kindern nicht

Das Ganze ändert sich, sobald Kinder kommen.

„Wenn das Kind da ist, braucht ihr aber ein Auto.“

„Hm. Nee.“

Dann kommt Kind Nr.2.

„Jetzt braucht ihr aber wirklich ein Auto.“

„Hm. Mal sehen.

Mobilität mit Nachwuchs

Mit nur einem Kind war es tatsächlich noch bequem möglich, bei meinen Eltern im Auto mitzufahren, wenn wir zusammen einen Ausflug machen wollten. Mit zwei Kindern ist es schwierig. Große Autos haben noch einen Extra-Sitz hinten, dann ist aber der Platz im Kofferraum stark eingeschränkt.

Und so kam es, dass wir im Sommer tatsächlich auf Ausflüge und baden gehen im See verzichten mussten. Mit Fahrrädern und/oder Zügen ist es eine kleine Weltreise, um von Lichtenberg raus ins Brandenburger Umland zu fahren. In Pandemiezeiten ist es sogar ein Risiko.

Der Weg dauert mindestens zwei Stunden und dann müssen wir ja auch rechtzeitig wieder zurück. Nach so einer Tour sind wir alle platt und müde und dann lohnt sich so ein Ausflug nicht wirklich. Und die Kinder schlafen auf dem Rückweg ein. Alle Eltern wissen, dass so etwas verhindert werden muss. 😊

Selbstständigkeit? Abhängigkeit!

Wenn wir in den Speckgürtel zu den Schwiegereltern fahren, brauchen wir anderthalb Stunden mit den Öffentlichen. Mit Taxi brauchen wir eine dreiviertel Stunde. Dafür müssen wir aber immer Kindersitze mitnehmen. Als wir einmal bei den Schwiegereltern waren und für den Rückweg wegen Schienenersatzverkehr ein Taxi rufen wollten, gab es kein einziges Taxi, dass mit einer Babyschale und einen Kindersitz aufwarten konnte und wir hatten natürlich nichts mit, da wir mit den Öffentlichen hingefahren waren. Also ab in den SEV und allen Fahrgästen mit den heulenden und übermüdeten Kindern auf die Nerven gehen. Das war nicht schön.

Manche Dinge des Alltags sind ohne Auto wahnsinnig anstrengend.

Auch Sachen wie Baumarkteinkäufe sind schwieriger und erst durch uns eigenständig lösbar, seitdem wir das Lastenfahrrad haben. Vorher waren wir immer darauf angewiesen, dass eine freundliche Seele uns fährt oder uns etwas mitbringt.

Also ja, es schränkt ein, kein Auto zu haben. Wirklich. Zumal Carsharing für uns keine Option ist, da wir nicht Auto fahren können und Auffrischungsstunden ohne nachfolgende, beständige Praxis rausgeschmissenes Geld sind (habe ich schon gemacht, war teuer).

Carsharing in der Familie oder mit Freunden

Wenn wir fahren könnten, wäre es am schönsten, sich ein Auto mit anderen Familienmitgliedern zu teilen. Natürlich müsste man sich absprechen, aber das sollte in vielen Familien funktionieren. Das Gleiche könnte ich mir übrigens auch für Nachbarn oder Freunde vorstellen, dass man sich ein Auto teilt, wenn da die Versicherung mitmacht. Das weiß ich leider nicht. Wisst ihr da Bescheid? Wie ist es bei euch? Habt ihr ein Auto? Warum? Warum nicht? Wo fällt es euch auf, wenn es fehlt?

Stehzeug statt Fahrzeug

Warum ich es trotzdem gut finde, kein Auto zu haben? Erst einmal für mein grünes Gewissen. Und dann wegen der Kosten. Und dann, weil ein Auto nur einen Bruchteil der Zeit überhaupt bewegt wird.

Den Rest der Zeit steht es sinnlos rum und nimmt Platz weg. Deswegen bin ich auch absolut für eine solide, vernünftige Parkraumbewirtschaftung. Es kann nicht sein, dass der teure Quadratmeter in Berlin kostenlos zugeparkt wird. Nur ein Drittel aller Autos in Berlin wird angeblich regelmäßig benutzt! Wie kann das sein?

Ich muss beim Abholen der Kinder in engen Straßen in Schlangenlinien um parkende Autos herumfahren, weil sie nicht genutzt werden. Ich hätte etliche Ideen, wie man die Anzahl der Autos in Berlin reduzieren könnte, aber es läuft letztendlich immer auf das Gleiche hinaus: Parken muss teurer werden. Das Geld könnte der hiesigen Infrastruktur bestimmt sehr zugute kommen.

Verzichten? Ja, doch.

Ich weiß, dass ich mich mit dieser Einstellung nicht sonderlich beliebt mache, aber tatsächlich finde ich es in Ordnung, auch mal auf meine eigene Bequemlichkeit zu verzichten. Für alle. Für unsere Umwelt. Auch, wenn es mich nervt und mir ein toller Badetag am See entgeht.

Wie sieht es in eurer Stadt aus? Nerven euch die parkenden Autos? Welche Wege und Möglichkeiten nutzt ihr, um ohne Auto zurechtzukommen? Schreibt es mir in die Kommentare, ich freue mich auf eure Ideen!

Quellen: Die größte Ineffizienz des privaten Pkw-Besitzes: Das Parken » Zukunft Mobilität (zukunft-mobilitaet.net) – Abruf: 04.12.2020

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