Lebensmittel retten mit Foodsharing

Unsere Erfahrungen mit Lebensmitteln vom Foodsharing

Kisten, Beutel, Tüten – eine große Abholung aus vier Betrieben. 🙂 Das haben wir munter im Haus verteilt.

In meiner Familie gibt es eine Foodsharerin, ich nenne sie mal Anna (auf ihren Wunsch). Sie ist seit dem Jahr 2020 dabei und hatte kurz vor Weihnachten ihre hundertste Abholung. Sie hat in dieser Zeit 1,8t Lebensmittel gerettet! Unvorstellbar.

Vieles landet bei uns, da wir als vierköpfige Familie dankbare Abnehmer sind. Im Folgenden möchte ich euch erzählen, welche Erfahrungen wir mit den mitgebrachten Lebensmitteln gemacht haben. Außerdem berichte ich über die Voraussetzungen, die man haben sollte, um selbst Foodsharing zu machen.

Was gibt es für Lebensmittel und wie oft kommen sie?

Wir bekommen in der Regel einmal wöchentlich eine Abholung. Meistens ist das Gemüse, dazu kommen Milchprodukte und fermentierte Pflanzenprodukte also Jogurtersatz, Aufschnitt, Käse, Wurst und kiloweise Brot, Brötchen und weniger Gebäck, manchmal auch Pizza oder Pizzaböden. Lecker!

Eine normale Abholung beinhaltet zwei solcher riesigen Kisten und oft noch eine sehr große Tüte mit Backwaren.

Was passiert dann mit dem Essen?

Wichtig ist eine gewisse Toleranz im Umgang mit angegammelten Essen. Das ist Obst und Gemüse, das vom Supermarkt aussortiert wurde, weil es nicht mehr gut aussieht. Es ist schimmelig, angegammelt, matschig. Ich selbst bin ziemlich zimperlich, aber Anna und auch mein Mann sind da härter im Nehmen. Schimmelige Orangen oder Himbeeren werden im Gesamten aussortiert. Einmal hatten wir eine große Ladung Weintrauben. Da haben wir die guten sortiert und ausgeschnitten, aber ein sehr großer Teil landet dann doch in meinem Bokashieimer.

Hier waren die Weintrauben ganz schön braun. Das Aussortieren hat sehr lange gedauert.

Da Anna weiß, dass ich leidenschaftliche Müllfermentiererin bin, wirft sie das völlig gammelige Gemüse auch nicht vor Ort oder bei sich zu Hause weg, sondern bringt es mir, damit ich meine Bokashieimer liebevoll befüllen kann. Einmal hat sie mir bestimmt zwanzig matschige und schleimige (und eklig riechende) Salatköpfe mitgebracht, die ich kleingeschnitten habe. Die haben meinen ersten Bokashieimer vollgemacht, obwohl es mir leid getan hat, so viel Essen entsorgen zu müssen.

Fertiges oder vorbereitetes Essen wie die Pizzaböden oder Suppen und Eintöpfe essen wir in der Regel noch am gleichen Tag. Es ist also eine gewisse Spontanität nötig, einen Essensplan können wir damit nicht einhalten, da die Abholungen doch immer eine Wundertüte sind.

Wohin kommt das Essen, wenn wir es nicht abnehmen?

Anna bringt das Essen oft zur Stadtmission oder zur Suppenküche. Es gibt verschiedene Notunterkünfte und soziale Initiativen, die sich riesig freuen, wenn ihnen das Essen gebracht wird. Außerdem gibt es solche (Kühl)-Schränke für die Öffentlichkeit, sogenannte Fairteiler, in die kann man das Essen auch stellen. Bei Fleisch geht sie auf Nummer sicher (ist so auch vorgeschrieben beim Foodsharing) und verwertet es ausschließlich selbst.

25kg Kartoffeln! Zum Glück ist es kalt und wir lagern sie auf dem Balkon. Mittlerweile dürften es nur noch zehn Kilo sein, die wir aufessen müssen. 🙂

Wenn wir sehr viel von einer Sorte Gemüse oder Brot oder Pizza haben, fragen wir bei uns im Haus nach. Zwei weitere Familien freuen sich darüber. Im Gegenzug kriegen wir dann auch mal Köstlichkeiten aus dem Garten, es ist ein Geben und Nehmen.

Welche Voraussetzungen muss man haben, um sinnvoll Lebensmittel zu retten?

Zeit. Es ist ein ziemlich zeitintensives Ehrenamt, natürlich abhängig von der Häufigkeit der Abholung. Wenn jemand wie Anna zwei bis drei Abholungen pro Woche macht, muss sie schon mehrere Stunden pro Woche veranschlagen. Die Abholung im Betrieb dauert, weil schlechte Lebensmittel gleich vor Ort aussortiert werden. Danach muss das Essen in Kisten und Dosen sicher verpackt werden. Diese kommen dann in die Fairteiler, zu Privathaushalten oder zur Suppenküche oder andere soziale Initiativen. Da fährt Anna dann auch mal locker zwei Stunden insgesamt quer durch Berlin, was uns zum nächsten Punkt bringt:

Auto. Ich sag es nicht gerne, aber ohne ein Auto (kann ja auch gemietet werden), wird Foodsharing doch schwierig. Mit einem Einkaufstrolley braucht man da nicht anzutrudeln, denn die Prämisse für die Foodsaver ist – alles mitnehmen, nicht nur die guten und schönen Lebensmittel oder das, was in den Rucksack passt. Das ist sicherlich auch vom Betrieb abhängig, vielleicht gibt es Läden, wo eine niedliche Kiste reicht.

Obst und Gemüse in sehr großen Kisten. Das ist ein ganz schönes Geschleppe.

Kraft und Ausdauer. Anna muss große und schwere Kisten teilweise über größere Strecken schleppen, je nachdem, wo sie ihr Auto parken konnte. Die Foodsaver hantieren mit Paletten und Kisten, also einen Rückenschaden sollte man vorher ausschließen. Das werden Leute, die im Lager arbeiten, bestätigen können, der Umgang mit Lebensmitteln ist körperlich herausfordernd.

Hygiene. Das erklärt sich von selbst, ohne ein umfassendes Hygienewissen kann man beim Foodsharing aber ohnehin nicht mitmachen. Es gibt ein Wiki mit Regeln und Voraussetzungen und bevor man überhaupt zugelassen wird, muss man eine Art Test bestehen. Erst danach darf man die ersten Abholungen in Begleitung von erfahrenen Foodsavern machen. Und erst dann werden einem auch die Betriebe in der Nähe angezeigt, die überhaupt beim Foodsharing teilnehmen. Das sind oft Gastronomien, von den üblichen Supermärkten nehmen eher wenige teil. Die geben ihre Lebensmittel teilweise ohne den Umweg über Foodsharing an die Tafel.

Das war ein Kilo Grünkohl. Den musste mein Mann alleine aufessen, weil weder die Kinder noch ich Grünkohl mögen. Fand er aber gut. 🙂

Das waren meine Erfahrungen mit den Lebensmitteln vom Foodsharing und was ich so mitbekommen habe, was es dafür braucht. Ein bisschen schade finde ich den Punkt mit dem Auto. In meiner Nähe findet zweimal wöchentlich ein Markt statt, da könnte ich ja eigentlich auch abholen, aber da käme ich mit meinem Lastenrad nicht weit. Dafür bräuchte ich eines mit so einem Minikiosk hinten drauf. Ich fände es nur richtig cool, dann mit dem ganzen Essen in meine Wohnblocksiedlung zu kommen, allen Bescheid zu sagen und ruckzuck ist das ganze Essen in der Nachbarschaft verteilt. Vielleicht klappt das irgendwann, wenn die Kinder größer und selbstständiger sind und wir uns so ein Transportlastenrad zulegen.

Macht ihr Foodsharing? Kennt ihr jemanden, der oder die das macht oder nehmt selbst dankbar Lebensmittel ab? Was sind eure Erfahrungen, schreibt es mir in die Kommentare!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.