Mein Balkonjahr 2021

Das Jahr 2020 war balkonmäßig nicht sonderlich erfolgreich. Ich wollte einen Nutzbalkon mit Gemüsepflanzen, hatte aber kaum Ertrag. Auch der Kompostbehälter hat nicht funktioniert, da er viel zu trocken war. Daher habe ich mir für 2021 vorgenommen, eine Bienenweide aus dem Balkon zu machen. Das sieht hübsch aus, ist für die Kinder interessant und soll sehr pflegeleicht sein, also perfekt für mich!

Insekten- oder Bienenweide

Auf einer Insektenweide finden sich einheimische Wildblumen, die den Insekten Nahrung in Form von Pollen und Nektar schenken. Die Pflanzen sind an die hiesigen Bodenverhältnisse angepasst und halten Trockenheit, Hitze und Wind gut aus.

Passsend dazu lief der digitale Balkonkongress Anfang März, ausgerichtet von Birgit Schattling. Ich habe mir einige der Vorträge angehört, wurde inspiriert und habe mir viele Notizen gemacht.

Meine Wildblumen

In meinen Balkonkästen sollten Wildblumen wachsen. Ich habe beim Kauf der Samen darauf geachtet, dass ich Pflanzen kaufe, die in der berlinisch-brandenburgischen Vegetationszone heimisch sind und mir eine passende Samenmischung bestellt.

Im Kasten gab es als Drainage Seramis, darauf kam Kompost aus meiner Komposttonne und Sand. Es hat eine Weile gedauert, bis sich die ersten Spitzchen Grün zeigten, aber das kann ich den Samen nicht vorwerfen, immerhin war es Anfang/Mitte März 2021 sehr kalt.

Letztendlich kamen statt der gewünschten Vielfalt nur wenige Pflanzen hoch. Am häufigsten wuchs bei mir die Melde – ich vermute zumindest, dass es diese Pflanze war. Die muss von außen eingetragen worden sein und hat energisch alle anderen Pflanzen weggebasht. Ein paar Gänseblümchen, zwei Kornblumen (immerhin eine weiße!) und Leinkraut haben es bis zur Blüte geschafft, so dass ich sie erkennen konnte.

Ein paar Nutzpflanzen

Ich habe mein Hochbeet, das ich einfach nur mit Kompost und Sand aufgefüllt habe. Im Hochbeet wuchs sehr prächtig Spinat, den wir im März dann geerntet haben. Daraus haben wir ein sehr leckeres Pesto gemacht, das kann ich nur empfehlen.

Um den übervollen Kompost zu entlasten, habe ich zwei Kürbisse auf den Kompost gesetzt. Zusätzlich wachsen eine Gurke sowie Zucchinis in einer mit Kompost gefüllten Maurerwanne.

Mein Sonnen- und Hitzeschutz

Zusätzlich wollte ich noch eine Art Sonnen- und Hitzeschutz auf dem Balkon haben. Dafür wollte ich Wein und eine Rose an einem selbst gebastelten Gitter hochranken lassen. Letztendlich habe ich mich aber gegen die Rose entschieden, weil ich ihr die Hitze und die pralle Südsonne nicht antun wollte. Stattdessen habe ich einen Wein geholt. Er hat ewig gebraucht, bis er Blätter ausgebildet hat, aber es war im Frühjahr auch sehr lange sehr kalt, das mochte er wohl nicht so.

Letztendlich war es dann der Kürbis, der für Schatten gesorgt hat. Er hat sich auch sehr drollig mit seinen Ranken überall festgehalten, an den Seilen, an anderen Pflanzen und an sich selbst.

Die gelbe Lohblüte

Ein Überraschungsgast war in diesem Jahr ein komisch aussehender zäher gelber Klecks in meiner Wurz, die in meinem Hochbeet gewachsen ist und die ich sehr lange für eine Erdbeere gehalten habe (Asche auf mein Haupt, es stimmt, man sieht nur, was man sehen will). Eines Tages klebte da dieser matschige Haufen in der Pflanze. Nach einigen Recherchen vermute ich, dass es eine Gelbe Lohblüte ist, ein Pilz, der sich angeblich sogar bewegen kann. Ich habe ihm freudig Haferflocken vor die Nase (oder wo auch immer) hingekrümelt, aber es hat ihn nicht interessiert. Der Pilz oder dieses Wesen (es weist tierähnliche Merkmale auf) wird auch Hexenbutter genannt und in Mexiko gegrillt und gegessen. Die zähe Konsistenz änderte sich irgendwann zu fest und schließlich wurde er hell und krümelig. Ich habe ihn dann interessiert angepiekst und er ist zerbröselt. Innen war er sehr dunkel und roch … nach altem Kaffeesatz? Keine Ahnung, ob ich da irgendwann mal Kaffeesatz in das Hochbeet gegeben habe und der Pilz sich das einverleibt hat.

Tiere auf dem Balkon

Ich hatte einiges an Tieren dieses Jahr auf dem Balkon. Hier meine Highlights:

In meinem Kompost hatte ich irgendwann wahnsinnig viele Wespen. Sie waren sehr niedliche Haustiere, sehr friedlich und neugierig. Zum Beispiel kamen sie immer an, wenn sich etwas auf dem Balkon geändert hat. Wenn ich den Wäscheständer rausgestellt habe, um Wäsche aufzuhängen, wurden ich und der Wäscheständer nach kurzer Zeit umschwirrt und dann sind sie wieder abgepfiffen und haben sich um ihren Kompost gekümmert. Das war knuffig. Ansonsten haben sie uns in Ruhe gelassen.

Außerdem habe ich irgendwann diesen riesigen roten Schmetterling entdeckt. Eine Freundin hat mich aufgeklärt, dass es sich um ein Rotes Ordensband handelt. Die mögen matschiges Obst – ich hatte kurz vorher schimmeliges Apfelmus auf den Kompost getan. Ob das auch der Grund war, warum das Tier wenige Tage später gestorben war, weiß ich nicht :-/ Ich hoffe einfach, er fand es bei uns so schön und friedlich, dass er bei uns auf dem Balkon seinem Ende entgegen gehen wollte.

Jetzt ist der Balkon ziemlich kahl. In den Balkonkästen macht sich die Melde wieder breit und drei Paprika versuchen noch, irgendwie zu reifen, aber ich denke, da passiert nicht mehr viel. Ich warte da noch ab, was passiert und überlege, ob ich im Winter noch etwas ins Hochbeet pflanze oder es einfach mal ruhen lasse. Außerdem habe ich meine ganzen Bokashi-Eimer in den Kompost geleert und lasse den Inhalt im Kompost vererden. Über den Winter passiert zwar vermutlich nicht viel, aber das ist ok. Im Frühjahr werden das Hochbeet und die Maurerwanne dann ordentlich aufgefüllt und neu bepflanzt. Für 2022 will ich auf jeden Fall mehr Kräuter haben, das sind tolle Insektenweiden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.