Müll sammeln

Neulich war ich mit meinem einen Kind Müll sammeln. Ich finde ja immer, Müll sammeln ist wie häkeln, man kann nicht aufhören – immer noch eine Masche und noch eine Masche – immer noch eine Kippe, ach, da ist noch eine und da noch eine. Ihr wisst, wovon ich spreche. Leider war es nicht der Kippenfreitag – am Freitag sammelt die Initiative Cleanup-TrepNick Müll und vor allem Zigarettenkippen und zeigt die gesammelten Werke auf Instagram. Ein sehr cooler Kanal, meistens finde ich die Ergebnisse aber deprimierend.

Meine Müllsammelaktion kam gut an bei älteren Mitbürgerinnen und Mitbürgern. Die haben dem Kind und mir begeistert zugenickt oder mir den Daumen nach oben gegeben. Das war nett. Eine kleine Anekdote bekam ich von einer älteren Dame zu hören. Sie meinte, sie hätte mal einen Mann angesprochen, dass er doch seine Dose nicht ins Gebüsch werfen solle. Pöbelte er zurück: „Ick nehm andren Leuten doch nich ihre Arbeit weg!“ Ja, kann man so sehen. Wenn man glaubt, dass das Straßen- und Grünflächenamt wahrlich nichts anderes zu tun hat, als den Dreck wegzuräumen, den die Leute nicht in den zehn Meter entfernten Mülleimer schmeißen können. Und unsere Helden in orange von der BSR drehen auch nicht den ganzen Tag Däumchen.

Als dritte Gruppe, die anderen Leuten den Dreck wegräumt, fallen mir die Menschen ein, die als Jobmaßnahme im Umweltbereich arbeiten müssen/dürfen(?). Das sind leider nur in Ausnahmefällen Jobs, die wirklich was mit dem Umgang mit Natur und Umwelt zu tun haben, das sind Müllsammeljobs. Und ehrlich, wer in einer so schwierigen Situation ist, dass er oder sie in einer Maßnahme arbeitet, für dessen oder deren Weiterentwicklung und Förderung tun wir nichts, wenn wir zu faul sind, unseren Müll wegzutragen.

Zu guter Letzt ist es auch einfach respektlos gegenüber den Freiwilligen und Engagierten, die sich mehr oder minder regelmäßig zum Müllsammeln treffen.

Ich habe übrigens nicht so furchtbar viel Müll sammeln können, weil das meiste schon von anderen fleißigen Händen weggeräumt worden ist und ich das, was mich am Vortag noch massiv gestört hatte, gar nicht mehr gefunden hatte. Bergeweise Papiertaschentücher zum Beispiel. Mein Highlight war eine Erwachseneninkontinenzeinlage (wie kam die ins Gebüsch?) und die Unmengen an Litschischalen wenige Meter entfernt von einem Mülleimer. Die Schalen habe ich aber liegen lassen, ich hoffe, sie sind biologisch abbaubar und nicht zu pestizidbelastet.

Wer übrigens gerne mit netten Leute Müll sammeln möchte, es gibt etliche Initiativen und Gruppen, die sich über neue Gesichter freuen. Ich selbst durfte mich schon über die Unterstützung der Kehrenbürger Lichtenberg freuen und weiß, dass die Gruppe Cleanup-Trepnick sehr aktiv ist. Die BSR unterstützt übrigens mit Holzzangen zum Sammeln sowie mit Müllbeuteln und Handschuhen und ich bin sicher, dass es auch in anderen Städten viele Aktive und Freiwillige gibt, die ihr Wohnumfeld sauber mögen. Und es macht Spaß und ein bisschen süchtig. Wie häkeln halt. 🙂

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