Zum Umgang mit Klimagefühlen

Mit diesem Beitrag möchte ich meine Erfahrungen und Gefühle im Umgang mit der Klimakrise beschreiben und wie ich realisierte, dass wir auf ernsthafte Probleme zusteuern. Manche beschreiben die Sorge vor der Zukunft mit dem Begriff Weltschmerz. Ich persönlich finde das Wort unpassend. Weltschmerz ist für mich ein literarisches Wort, das mit den klimabedingten Katastrophen, die passieren, nicht viel zu tun hat. Aber das müssen alle selbst entscheiden, welcher Begriff für ihre Gemütslage am zutreffendsten ist.

Oh, oh, wir haben ein Problem

Dass sich unsere Welt durch Abgase aus Autos und Fabriken unverhältnismäßig schnell erwärmt, habe ich bereits vor zwanzig Jahren in Physik gelernt. Stichwort Treibhauseffekt. Kennt jeder, der mal ein Minigewächshaus auf dem Fensterbrett stehen hatte oder im Garten Tomaten im Gewächshaus zieht. Beruhigt wurden wir in der Schule mit den Worten, dass technische Innovationen sowie die Wind- und Solarkraftanlagen, die damals reichlich gebaut und subventioniert wurden, das schon richten würden.

Zeitsprung. Ich lese in irgendeiner Zeitung mit ungefähr 18-20 Jahren einen Artikel, der die drohende Erderwärmung, über die bereits vor vierzehn Jahren nicht nur in der Wissenschaftsgemeinschaft diskutiert wurde, widerlegte. Begründung: die tauenden Pole würden die Ozeane so erkalten lassen, dass eher eine Eiszeit drohte. Also alles nicht so schlimm. Ich habe die Sorgen erleichtert aufgegeben und die anderen würden sich schon kümmern.

Mit Mitte zwanzig, als diese Eiszeit sich immer noch nicht blicken ließ, recherchierte ich nochmal nach. Ganz offensichtlich hatte der Autor oder die Autorin dieses Artikels diverse Dinge unberücksichtigt gelassen, zum Beispiel den Albedo-Rückkopplungs-Effekt. Stattdessen half das bisschen kühle Wasser in den Ozeanen, dass wir noch keine 4°C-Erderwärmung haben, eine Eiszeit aber war weit und breit nicht in Sicht.

Zeitsprung ins Jahr 2017. Ich bin schwanger mit dem ersten Kind. Die Angst vor der Klimakrise haut richtig zu. Ich habe abends im Bett gelegen und geheult, in was für eine Welt ich das Kind setze. Im Jahr darauf fingen die Streiks von Fridays-for-Future an. Das hat mir so viel Hoffnung gegeben, dass sich politisch endlich etwas in die richtige Richtung bewegt. Ich war voller Hoffnung, habe mich bei den Parents-for-Future Berlin gemeldet, wollte richtig aktiv sein. Dann kam das zweite Kind. Danach war ich erstmal raus. Mit zwei kleinen Kindern waren Aktivismus und politisches Engagement für mich nicht drin. In diese Richtung haben auch die Parents reagiert: „Du hast zwei kleine Kinder, mach mal ganz in Ruhe und kümmere dich um die.“

Aber die Panik und die Angst blieb und kam immer wieder.

Wir haben nur diese eine Erde. Beschützen wir sie, beschützen wir uns.

Klimaangst. Wovor genau?

Was ist das für eine Angst? Es ist die Angst vor bewaffneten Konflikten, vor Kämpfen und Kriegen um Ressourcen. Es ist weniger die Angst (bei mir zumindest) vor Naturkatastrophen. Es ist die Angst vor Gewalt, wenn Nahrungsmittel und vor allem Wasser knapp werden. Es ist die Sorge, dass die Gesellschaft, wie wir sie kennen, auseinanderbricht und Leute an die Macht kommen, die undemokratische und menschenfeindliche Positionen vertreten. Es ist die Angst vor einer Zeit, in der das Recht des Stärkeren gilt und der Schutz der Schwachen und Bedürftigen zurücksteht. Ich habe keine Angst vor dem Untergang der Menschheit, nein. Der Mensch ist ein so anpassungsfähiges Wesen, verschiedene Gruppen werden immer überleben. Mir geht es um meine ganz persönliche Sicherheit und die meiner Kinder. Ich sehe keine sichere Zukunft für mich und noch weniger für meine Kinder in einer Welt, die sich um 3°C erwärmt hat.

Die Angst ist real, aber die Gefahr ist nicht akut.

Was hat mir geholfen, besonders in den Zeiten, in denen ich durch das Familienleben so eingespannt war, dass ich nicht aktiv sein konnte? Für mich war es wichtig, mir bewusst zu machen, dass diese Angst zwar sehr real und begründet ist, aber im Moment keine akute Gefahr droht. Mittlerweile fühlt sich die Gefahr viel näher an, wir haben Hitzesommer, wir hatten die Flut im Ahrtal, wir haben einen Krieg in Europa.

Was mir hilft. Und was nicht.

Manche Empfehlungen gehen dahin, sich zu entspannen oder in die Natur zu gehen. Das funktioniert bei mir persönlich leider nicht. Wenn es in der Yogaeinheit heißt: „Du bist ganz entspannt. All deine Sorgen und Gedanken sind weit weg. Du hast keine Probleme. Du bist bei dir.“ – dann schreit mein Inneres: „Nein, es ist nichts gut und die Probleme sind da!“ Bin ich in der freien Natur, sehe ich nur kranke Bäume, vor der Zeit verwelkte Blätter, zu wenig Insekten.

Ich muss tatsächlich Zeit mit meiner Familie oder mit anderen lieben Menschen verbringen, so dass ich abgelenkt bin. Auch ein unterhaltsames Buch zu lesen ist hilfreich. Sport hingegen hilft mir kaum. Bei mir ist es wichtig, auf andere Gedanken zu kommen. Zudem vermeide ich es, alarmistische Nachrichten zu lesen und mich zu viel mit dem Thema Klimakrise zu beschäftigen. Oft lege ich dann lieber den Fokus auf gute, nachahmenswerte Projekte oder Lösungen und belese mich oder schaue mir einen Bericht oder ein Video dazu an.

Wichtig zu wissen ist, dass diese Gefühle sehr viele Menschen haben und diese Menschen versuchen alle, einen Umgang damit zu finden. Der Austausch mit anderen kann helfen, Strategien zu entdecken und auszuprobieren.

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